Rothenburg ob Tauber > Bad Mergentheim  (55 Km / 141 Hm↑)

Bad Mergentheim > Wertheim (56 Km / 95 Hm↑)

Total : 111 Km / 236 Hm

Text und Fotos (*): André – S. Niedzielski

Vor der mächtigen Stadtmauer,  zahlreiche Parkplätze, denn in Rothenburg ob Tauber herrscht ein striktes und berechtigtes Fahrverbot. Der jährliche Touristen Andrang mit etwa einer halben Million Übernachtungen erklärt sich durch die authentische mittelalterliche Architektur der Stadt,  zumindest in dem Bereich der während des letzten Weltkriegs nicht durch Bomben zerstört wurde. Auch da wurde akribisch nach historischen Vorgaben wieder aufgebaut. Es entstand das Bild eines gepflegten blumengeschmückten Städtchens wie man es selten bewundern kann. Es fehlt nur noch die kostümierte Bevölkerung, was die Filmindustrie schon lange in etlichen Werken aufgestellt hat!

Plönlein mit Sieberstor*

 

Seitengasse*

Einige typische Häuser sind besonders  zu erwähnen, wie das Stadtmuseum, das Handwerkshaus und die Ratstrinkstube. Auffallend, das Weihnachtshaus mit dem dazugehörigen Museum, das Käthe Wolfahrtshaus, wo man über mehrere Etagen, sogar mitten im Sommer, seinen Tannenbaumschmuck ergänzen kann. Etwas abseits vom Zentrum enge Gässchen mit dem Flair früherer Zeiten.

Entlang der bemerkenswert erhaltenen Stadtmauer, die alten Stadttore wie das Klingentor am Marktplatz und die zwei markanten Toren am Plönlein, ein emblematischen Platz, Sieberstor und Kobolzellertor. Zu besuchen:  Sankt Jakob, die Hauptkirche der Stadt um 1300  gebaut.

 

 

…lässt an frühere Zeiten denken*

Die Gemeinde hat auch  äußerst gepriesene touristische Attraktionen organisiert, etwa  die Stadtführung durch den Nachtwächter  mit einem passend eingekleideten Begleiter: schwarzer Hut, langer dunkler Mantel, Öllampe und Hellebarde. Dazu lustige Erzählungen über die Geschichte von Rothenburg, manchmal auch saftige Bemerkungen. Das Programm läuft sogar in zwei Sprachen, englisch und deutsch (20 /21.30 Uhr)

 

Bunte Fassade *

In der Mittagsstunde stoße ich mit meinem Fahrrad  mitten im intensiven Straßenverkehr der modernen Stadt zurück…auftauchen in der heutigen Zeit!

 

Weiler am Wege…

Nach Verlassen der Ortschaft, hoch über dem Taubertal gelegen, führt der Radweg steil hinunter zum kleinen Fluss, der langsam gegen Norden fließt. Am Weg einzelne pittoreske Weiler, wo der Eindruck entsteht, dass die Zeit über Jahren stehen geblieben ist.

Vor Röttingen

 

 

Im noch engen Talboden, eine eher bescheidene Agrarwirtschaft mit kleinen Feldern. Einige massive Steinbrücken, grüne Wäldchen an Flussmeandern; eine sanfte und „liebliche“ Landschaft. Zeitweise steigt der Radweg hoch zu seitlichen Hügeln mit einem weiten Blick über die Gegend.

 

Weikersheim – Hauptplatz und Schloss

Bald kommt man nach Weikersheim, eine badische Stadt von 7T Einwohner mit einem prächtigen Schloss aus dem 18 Jh. in Renaissance Stil, mit berühmten Gärten „à la Versailles“. Auf dem Hauptplatz das Taubertal – Museum, repräsentativ für die gesamte Region. Direkt nebenan, die evangelische Sankt Georg Kirche, eine sogenannte Radwegekirche die „fast immer offen bleibt“, die Radwanderer religiös aber auch pragmatisch betreut…und wo „die Sanitäranlagen zur Verfügung stehen“ (Zitat)!

Das Taubertalmuseum

Sankt-Georg Kirche

 

 

 

 

 

 

Das Tal weitet sich allmählich aus; die an der Sonne exponierten Hänge sind jetzt mit herbstlich gefärbten Weinbergen geschmückt. Mitte Oktober ist die Landwirtschaft in voller Aktion. In den Dörfern, lange Traktoren Kolonnen vor dem Gemeindekelter mit überfüllten Anhängern: helle und dunkelblaue Trauben, aber auch Äpfel und Birnen. Die Gegend duftet nach dem typischen Geruch der gepressten Früchte.

Das Tal weitet sich aus…

 

Bad Mergentheim / Zentrum

Noch etwa 20 Km und die Tagesetappe, Bad Mergentheim ist erreicht. Bekannter Badekurort mit 24T Einwohner,  Zentralplatz, altes Rathaus und vor allem das Schloss und Barockkirche  des Deutschen Ordens, der hier von 1526 bis 1809 residiert hat. Industrielle Betriebe, aber vorrangig für die  Stadtwirtschaft  zahlreiche thermale Quellen, Kurhotels, Pensionen  und spezialisierte Kliniken für die Behandlung der Zuckerkrankheit sowie der häufigsten Stoffwechselerkrankungen.

Schloss des Deutschen Ordens…

 

…mit Eingangspforte 

Nach erholsamen Aufenthalt…und reichlich Mineralwasser geht es weiter auf dem Taubertalradweg nach Tauberbischofsheim. Auf dem Weg wohlhabende Dörfer in voller herbstlicher Aktivität bei einer Agrarwirtschaft wo Mais, Kartoffel, verschiedene Kornarten, Obstgärten, Gemüseanbau, Forstwirtschaft und der bekannter Weinbau vertreten sind.

Und plötzlich, fast in der Mitte des Radweges, ein Koloss von einem Turm, der „Türmer Sturm“, 35 Meter hoch, im 13 Jh. gebaut und Wahrzeichen der Stadt Tauberbischofsheim. Hauptstadt des Main-Taunus-Kreises mit einem im Mittelalter verwurzelten Aufschwung durch die Ansiedlung einer der ersten Frauenklöster der Benediktiner. Weinstadt und Garnisonstadt seit 1960, auch bekannt als Zentrum für den Fechtsport.
Ab Tauberbischofsheim zweigt der Radweg der Romantischen Straße nach Nordosten in Richtung Würzburg. Treu den Verlauf der Tauber folgend, muss die Taubertalstrecke doch kleine Landwirtschaftswege oft am Rande von Maisfeldern, jetzt bereits abgemäht, benutzen. In der Landschaft hier und da auch riesige Hallen für die Schweinezucht.

 

Festung Wertheim

Nah am Flüsschen, immer wieder eine schattige Stelle für eine Erfrischungspause bei diesem noch warmen Oktobertag. Von weit kann man bald hoch auf einem Hügel das mächtige Schloss Wertheim erkennen…oder eher was davon noch übrig ist: die Ruine einer imposanten mittelalterlichen Festung.

Tauber…

 

An einer angemessen strategischen Lage zwischen Tauber und Main war die Burg, nach der Chronik, Residenz Stätte des Barons Poppo II (so der Name)  und wahrscheinlich Niederschriftsort des 4ten Buches von Parzival, Grundlage für das spätere Werk von Richard Wagner (1882).

 

 

…und Main

Die Stadt Wertheim mit ihren aktuellen 23T Einwohnern, verdankt ihren Aufschwung im Mittelalter der Münzprägung und der günstigen Lage an der Einmündung der Tauber in den Main mit Doppelhafen. Später hat sich auch eine erfolgreiche Glasindustrie etabliert. Erwähnenswert eine moderne Handelsform: ein Outlet Center mit bis zu 2 Millionen Besucher im Jahr!

Bahnrückfahrt in Richtung Crailsheim  bis Schrotzberg und ein 17 Kilometer langer Radweg nach Rothenburg ob Tauber. Zunächst angenehme Fahrt durch den Wald, wobei es allmählich  dunkler wurde und schließlich, nach einer halben Stunde Fahrt stockdunkel! Keine Radbeleuchtung (mea culpa), keine Taschenlampe…völlige Einsamkeit mitten im Wald! Leichte Unsicherheit macht sich bei mir bemerkbar, Tempozunahme doch  bald revidiert bei einem  Grobschotterweg  mit Sturzgefahr. Bleibt nur langsam fahren, schieben und zuletzt doch Taxihilfe für die letzten 5 Km! Eine harte Lektion für die Zukunft…im Herbst kommt die Nacht früh und schnell!

Die Radwegkarte mit „sportlichen Rückweg“

 

Fazit :

Ein Radweg  im Herzen Frankenlands ohne besondere technische Schwierigkeiten (außer selbstgemachter). Wie oft bei den Radwegen an Gewässern, kommt es doch zu Anstiegen die sich spüren lassen. Die malerischen Dörfer an der Strecke sowie die gepflegten historischen Städte  am friedlichen Flüsschen lassen eine romantische, idyllische Stimmung durchaus aufkommen.

(NB.: 4 externe Bilder* )