Mols (Walenstadt) > Weesen > Mols

(35 Km  / 244 Hm ↑ = Höhenmeter)

Text & Fotos: André-S. Niedzielski   

Eine Radtour die ich nicht missen möchte. Ein Hauch von Radabenteuer inmitten eines eindrucksvollen Rahmens: ein dunkelblauer länglicher Alpensee, auf beiden Seiten von mächtigen steilen Bergmassiven flankiert.

Eine majestätische Erscheinung, der Blick verfängt sich nach oben. Man fragt sich ernsthaft wie hier in dieser Gegend, wo gewaltige Felswände in der Tiefe des Sees verschwinden, ein Radweg überhaupt möglich ist.

Bergwände-See-Strasse-Radweg-Bergwände

Und gerade diese Frage stellt den abenteuerlichen Beigeschmack der Radtour am Walensee dar. Ein durchaus respekteinflössender Radweg, der keinen Fahrfehler verzeiht. Scharfe Anstiege bis 25 % und die darauf folgenden Abfahrten, mit gleich hohem Wert.

Ein explizites Warnschild: ”Fahrradfahrer: Steigen Sie vom Rad ab” ist just vor einem scharfen Abhang platziert. Und weil ich es nicht gesehen hatte (erst bei der Rückfahrt), bin ich im Sattel geblieben, weit nach hinten, um das Gleichgewicht zu behalten und das Risiko eines Sturzes über den Lenker zu vermeiden. Bei diesem Neigungsgrad wäre es fatal gewesen. Mulmiges Gefühl und trotzdem durch.Mir gemerkt: unbedingt die Anweisungen befolgen und sein Rad bei diesem Teil des Weges zu Fuß begleiten!

Bis 25% An-und-Abstieg

Bis 25% An-und-Abstieg

Anfänglich, ab Walenstadt oder eher drei Kilometer weiter ab Mols, wo wir günstige Parkmöglichkeiten gefunden haben, ist der Radweg ziemlich leicht, aber am See schmal. Andere Radfahrer zu überholen oder den Gegenverkehr zu kreuzen verlangt die volle Aufmerksamkeit. Ich war mit einem Radfreund unterwegs, es war selten möglich nebeneinander zu fahren. Brav hintereinander war eher ratsam.

 

EXS0

Eng am Berg

Kurz nach Mols wird es eng. See und Felswände bilden eine Art Flaschenhals und die Durchgangswege,  Hauptstraße, Bahngleis, lokale Abzweigungen zu den Siedlungen am Seeufer, sowie unser Radweg, müssen sich am Fels durchzwängen. Damit das möglich ist, gibt es an dieser Stelle einige Galerien und Tunnel. Ich habe ehrlich gestaunt, der Weg führt mitten durch schmale, dunkle Radtunnel, wo hier und da kleine Wasserfontänen an der Wand runterzischen. Fühlbare Kühle, Feuchtigkeit und spärliche Beleuchtung muss man überwinden, es gibt keine Alternative, wenn es weiter gehen soll. Mit der Sonnenbrille wurde die Lage nicht besser, ich konnte mich aber an meinem Vorradler orientieren, der wohl ein ausgezeichnetes Sehvermögen hat.

Walensee Mai 15

Nordwand

 

 Schilderung für alle

Schilderung für alle

Das ”Schwerste” hatten wir jetzt hinter uns. Der See wird breiter, die Uferzone bietet mehr freien Platz für alle: Autos, Züge, Fahrräder, die sich vorher in den Engpass gedrückt hatten. Von da an weist der Radweg eine prächtig ausgebaute Strecke auf, mit ausreichend Raum zu beiden Seiten, oft am See entlang. Pure Fahrfreude!

Nach Osten

Kleiner Strand mit gewaltiger Aussicht

Und so kommt man schnell zum Ende des Sees, nach Weesen, eine charmante kleine Ortschaft, angelehnt an einen Sonnenhang. Bei genauer Betrachtung ist sogar in einer höheren Lage ein Hobbyweinberg zu entdecken.

Am Seeufer, gepflegtes Areal mit freier Wiese, Sitzbänke, mehrere Restaurants und Kiosks, wo der Radfahrer Proviant und Getränke holen kann. Die Restaurants sind für EU-Radler nicht gerade billig.

Tunnels und Galerien

Tunnels und Galerien…

Zurück mit dem Linienschiff? Nicht für uns zwei Radfans, die Windrichtung hat sich gedreht und weht jetzt günstiger von hinten, Richtung Osten.

Walensee Mai 15

Weesen – Schiffsanlegestelle

Also den gleichen Weg in umgekehrter Richtung, weil eine Rundfahrt um den Walensee nicht möglich ist.

Die Nordseite wird von den Bergen, die steil in die Tiefe (bis 150m) des Sees eintauchen, abgeriegelt. Nach Quinten, mittig am Nordufer gelegen und sehr beliebt bei den Touristen, gibt es wohl einen Wanderweg. Er ist aber absolut nicht für Radfahrer geeignet. Alternativ gibt es den Zugang vom Wasser her, mit der offiziellen Schiffslinie (Schiffsbetrieb Walensee AG).

Übrigens hatte der See eine historische Bedeutung als West-Ost Wasserweg, von Walenstadt nach Zürich und umgekehrt. Beide Seen, Zürichsee und Walensee sind mit dem Linthkanal verbunden, sodass die meistens zentnerschweren Güter auf Lastkähnen hierdurch transportiert werden konnten. Von Walenstadt aus, ging die Route weiter nach Graubünden und Norditalien.

Die Eisenbahn hat diesen damaligen Transportmodus verdrängt, der Wasserweg wird jetzt von Freizeitkapitänen genutzt.

Walensee Mai 15

Kollege

Dank dem günstigen Rückenwind, fährt es sich angenehm unter der schon warmen Maisonne. Wiederum die kritischen Passagen, zwei steile Anstiege mit anschließenden Abhängen und zwei eiskalte Galerie-Tunnel von rund 500m Länge.

Am späten Nachmittag sind mehrere vorsichtige Radfahrer unterwegs die an schwierigen Stellen, wie ausdrücklich empfohlen, absteigen. Auffallend, obwohl Wochenende, kaum Kinder dabei.

Restaurants,Kiosk und Parkanlage in Weesen

Restaurants, Kiosk und Parkanlage in Weesen

 

Walensee Mai 15

auf dem Rückweg, Blick nach Osten

Noch einige machbare Steigungen und wir landen in Mols auf dem Parkplatz  neben der Hauptstraße nach Walenstadt. Ein übersehener Automat, Parkgebühren wohl versäumt? Nein, Pressluft für Tauchflaschen. Es scheint, dass die Tiefe und die Klarheit des Walensees auch andere Sportarten anziehen.

Fazit: ein großartiges Landschaftsbild mitten in einer dominanten Natur  und ein kniffliger Radweg der Kondition, verlässliche Räder und eine sichere Radführung verlangt hat.