Prien am Chiemsee > Gstadt > Kloster Seeon

(34 Km / 47 Hm ↑= Höhenmeter)

Kloster Seeon > Chieming > Prien am Chiemsee

(52 Km / 98 ↑ Hm)

Gesamt: 86 Km / 145↑ Hm

Text & Bilder: André-S. Niedzielski

 

Die Tour war für das Frühjahr mit einem kleinen Familienteam geplant. Doch die Wetterverhältnisse waren so ungünstig, dass wir immer wieder den Termin verschieben mussten. Anfang Juli deutliche Besserung der Wetterlage… vielleicht zu deutlich, 38 bis 39 Grad im Schatten, eine echte Hitzewelle! Dennoch, als begeisterte Sportler wollten wir nicht nochmals zögern. Nachdem die Zimmer für die eingeplante Übernachtung reserviert waren, ging es los in Richtung Chiemsee, auch liebevoll „Meer der Bayern“ genannt.

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Der Chiemsee und die Alpen

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…es geht los

Tatsächlich war der See in früheren Zeiten wesentlich größer. Anfang des 20 Jh. wurde jedoch die Oberfläche verkleinert um einerseits den häufigen Überschwemmungen entgegen zu wirken, aber auch um geschätztes Agrarland zu gewinnen. Durch die Vertiefung der abführenden Alz im Norden und der zuführenden Tiroler Ache im Süden, sank das Wasserniveau des Sees um gut 20 Meter und die Oberfläche reduzierte sich von 200 Quadratkilometer auf 90 Quadratkilometer!

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Schatten… Schatten!

Nach Aussage der Chroniken war die Gegend südöstlich von München im Mittelalter von Landesherren beherrscht. Einer davon, besonders mächtig, trug den Namen „Chiemo“, daher die Bezeichnung der Region Chiemgau und der Name des Sees, Chiemsee.

 Fahrt zum Startpunkt der Radtour: mit dem PKW, quer durch Bayern, unter strahlender Sonne. Die typische Landschaft vom Alpenvorland, durch die früheren Gletscher geformt, die grüne Hochebene und die zahlreichen und bekannten Seen wie Staffelsee,  Ammersee, Starnbergersee, Tegernsee. Darüber die massive Alpenkette, wie ein natürlicher Schutz.

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Hübsche Boutique unterwegs

Gegend Mittag kommen wir in Prien, die größte Ortschaft am See, an. Kurzer Imbiss am Wasser, wo ein angenehmes Seelüftchen die bereits merkliche Hitze erträglich macht.

Fünf Radler, mit drei normalen Fahrrädern (Cross und Mountainbike) und ein etwas seltsames altes Tandem, fast ein Museumsstück. Sehr malerisch, aber unpraktisch.

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Die strenge Hitze macht sich bemerkbar…

Der Radweg geht jetzt Richtung Nordende des Sees und folgt unmittelbar dem Seeufer. Viel Schatten, kleine Holzbrücken über den Bächen, regelmäßig Erholungsplätze, hier und da ein Bauernhof am Wegrand, Waldstücke mit Engstellen… eine angenehme Abwechslung. Und immer wieder die Möglichkeit zu baden, was öfters in Anspruch genommen wurde.

 

Wir radeln durch Gstadt, hübsche kleine Ortschaft am Seeufer und Ausgangshafen für die Schiffsfahrt zur Fraueninsel und dem Kloster Sankt Maria, das von Benediktinerinnen geführt wird.

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Puppen,hoffentlich nicht aus Wachs…

An der Nordspitze des Sees, in Seebruck, machen wir eine verdiente längere Pause in einem typischen lokalen Gasthaus mit einer breiten schattigen Terrasse dicht am Wasser, wo uns eine bayerische Musikkapelle  begrüßt. Dicke Eisbecher und Wasser, viel Wasser..

Das grelle Tageslicht schwächt sich etwas ab, wir verlassen das Seeufer und kommen durch ein hügeliges Terrain, das auch mehr Druck auf die Pedale verlangt. Trotz einer leichten Brise werden die letzten Kilometer der Etappe anstrengend und man fragt sich warum die Radwege manchmal durch besonders steile Bereiche führen müssen!

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Das Kloster Seeon ist nicht mehr weit

In der Ferne, ein kleiner See und mittendrin, auf einer Insel thronend, das Kloster Seeon (gebaut 994), mächtige Erscheinung im Licht der untergehenden Sonne. Prachtvolles Bild als Krönung der Radetappe und viel Spaß für die Fotographen.

Unser Hotel für die Nacht ist eine Klosterdependance mit 1 Meter dickem Mauerwerk. Und trotzdem, an diesem Tag ist die Hitze so groß, dass die Zimmer sehr warm sind.

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Kloster Seeon, die spätgotische Kirche

Der deutliche Nachteil dieses historischen Gebäudes liegt darin, dass es gerade an einer Hauptstraße liegt, wo die Autos mit auffallender Übergeschwindigkeit vorbei sausen. Es gibt also einige Zimmer die ungünstig  nach vorne liegen… und das Los hat mich getroffen!

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Dicke Mauer

Nach einem kräftigen Frühstück, fahren wir auf dem zweiten Abschnitt des Radweges um den Chiemsee weiter. Ein anderer, viel flacherer Weg, führt uns nach Seebruck zurück, wo wir das Seeufer in der Morgenfrische wiederfinden.

 

Gegen Ende der Ortschaft, fährt man über die Arz, Abfluss des Chiemsees. Genau hier wurde durch Vertiefungsarbeiten um 1904 das Wasserniveau deutlich gesenkt.

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Der Klostergarten mit Heilpflanzen

Von da an verlangt der Radweg, der entlang des gewundenen Seeufers verläuft, vom Radfahrer mehr Aufmerksamkeit. Kleine schmale Holzbrücken über sumpfige Passagen, enge Wege in Waldabschnitten. Der Boden ist tonhaltig, aber trocken, Wurzeln laufen quer durch. Für das Tandem besonders schwierig.

Doch ab und zu ein einladender Strand. Die Wassertemperatur ist aber durch die herrschende Hitze angestiegen, sodass die ersehnte Abkühlung mehr Zeit in Anspruch nimmt.

 

Klosterdependance

 

Wir fahren durch Chieming, ehemals wichtige Relaisstelle auf der römischen Achse von Salzburg nach Augsburg.

Gegen Mittag sind wir in einem netten Strandrestaurant mit bayerischen Spezialitäten. Sehr beliebt bei den Radfahrern, diesmal aber… nur die Eis Karte und Mineralwasser!

Nach der schattigen Strecke am Seeufer, erwartet uns jetzt eine lange gerade Passage neben der glühendheissen Autobahn. Dieser laute Teil des Radweges kann nicht empfohlen werden. Viel angenehmer ist der Umweg über Übersee und Bernau, das wir auch auf unserem direkten Weg erreichen.

Noch wenige Kilometer. Am Ende einer unendlichen Kurve erreichen wir den ursprünglichen Ausgangspunkt der Tour, Prien. Mit breiten Parkanlagen, direkt am tiefblauen frischen Wasser. Hier gibt es Linienschiffe im Pendelverkehr mit den zwei wichtigsten Inseln des Chiemsees: Herrenchiemsee, mit dem berühmten Prachtschloss von Ludwig II. von Bayern und die Fraueninsel mit dem Kloster Sankt Martin.

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Badegelegenheit zwischendurch

Ludwig II (1845-1886) ließ Schloss Herrenchiemsee in Anlehnung an Versailles, sein tief bewundertes Vorbild, bauen. Die breite Frontpartie und die symmetrisch angeordneten Gärten kommen dem Original sehr nahe. Der Radler und der Fotograph bedauern jedoch herzlich, dass beides auf der Insel „strikt verboten“ ist!

Schifffahrt zu den Inseln

Noch ein Abschlussbad nach einer Tour, die durch extreme Wetterbedingungen deutlich erschwert wurde. Es bleibt das positive Gefühl, trotz Hitze nicht aufgegeben zu haben. Ein Hauch von Stolz und gemeinsame Freude über die sportliche Leistung.

Fazit: Insgesamt ein vielseitiger und mittelschwerer Radweg, der sich unter passenderen Bedingungen als echter Radlerngenuss herausstellen könnte.