Lausanne    >    Morges ( MBC)    >    Le Mollendruz    >    Vallorbe    >    Ballaigues

(40 km / 754 Hm↑)

Die lokale Bahn ( MBC )

Ballaigues > Orbe > Yverdon > La Sarraz

(45 km / 92 Hm↑)

La Sarraz    >    Cossonay    >    Goillon    >    Morges    >    Lausanne

(25 km / 254 Hm↑)

Gesamt: 110 Km / 1.100 Hm ↑

Text & Fotos: André-S. Niedzielski

Nachdem  mein Wagen sicher geparkt war, ging es gleich mit dem Fahrrad zur Sache. Auf eine Verkehrsdichte Straße Richtung Bahnhof Morges, wo eine Lokalbahn mich an den Fuß des Juragebirges, in l’Isle, befördert. Von da an geht ein steiler Anstieg zum Pass von Mollendruz hinauf (1184 Hm).

Mont-La-Ville –  Kirche aus dem 19 Jh.

Dicht befahrene Hauptstraße, leider kein Radstreifen vorhanden. Zeitweise ein kurzer flacher Abschnitt, wo man aufatmen kann, aber der normale Radfahrer mit Gepäck und mittlerer Kondition leidet deutlich während dieser Steigung, die bis 7% erreichen kann. Endlich am Pass angelangt, eine seltsame Beobachtung: Motorradfahrer, die unmittelbar am Pass mit lautem Krach zurückfahren…Strecke erneut befahren? Anscheinend eine lokale Attraktion. Dagegen bewundernswert sind die Rennradler,  die den Aufstieg erstaunlich schnell meistern.

Am Fusse des Juragebirge mit Aussicht auf das Waadtland bis zu den Alpen

 

Der Anstieg zum Mollendruz-Pass

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Mollendruz-Passhöhe, weite Erholungs-und Parkflächen, sowie eine kleine Holzhütte, wo vermutlich die lokalen Spezialitäten des Juragebietes serviert werden: Käsefondue, “Tomme Vaudoise”, ein Käse der Region oder Käsetaschen. Dazu den typischen trockenen und fruchtigen Weißwein vom Kanton Waadt, der perfekt zu diesen Käsegerichten passt.

Mollendruz-Pass

„Lac de Joux“

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem Pass kommt eine schnelle Abfahrt in Richtung lac de Joux, der Jurasee den man immer wieder von der Straße aus kurz erblicken kann. Trotzdem ist hier höchste Aufmerksamkeit geboten, es werden leicht Geschwindigkeiten um die 50 km/h und mehr erreicht. An der östlichen Seespitze liegt Le Pont, eine kleine  touristische Ortschaft, umgeben von den typischen steinigen Kalkfelsen der Region.

Le Pont, am See

Vallorbe, im Zentrum

Die Brücke über den Fluss Orbe

 

 

 

 

 

 

 

Kurz geht es  bergauf und sofort eine schwindelerregende Abfahrt bis Vallorbe, ein bekanntes Industriestädtchen, dessen Schmieden in den dreißiger Jahren weltberühmt für die Erzeugung von hochresistentem Stahl waren. Entlang der Straße, kleine zahlreiche Reihenhäuser, wo die Arbeiter der verschiedenen Werke wohnten. In der Stadtmitte, die Brücke über die Orbe. Dort erwarte ich eine Attraktion der Stadt zu sehen: die zahlreichen fetten Forellen, die sich im klaren Wasser des Flusses tummeln. Die Zeiten ändern sich… diesmal sind keine Forellen zu bewundern, eine Sehenswürdigkeit weniger für das Städtchen. Ganz in der Nähe: das Eisen- und- Eisenbahnmuseum, das man besuchen sollte.

Wo sind die Forellen geblieben?

Das Museum für Eisen- und -Eisenbahn

Ballaigues… angekommen

 

 

 

 

Eine letzte Anstrengung in der heutigen Etappe und der Aufstieg nach Ballaigues über eine Abkürzung die den großen Bogen von Le Creux, übrigens Grenzstelle nach Frankreich, vermeidet. la Cheneau ist ein steiler Radweg…  der Kräfte kostet.

Ballaigues, typisches Herrenhaus

Ballaigues, gesetzter Bauernhof

Links Dent de Vaullion und rechts Mont d’Or

 

 

 

 

Ballaigues, ein großes charmantes Juradorf das im Laufe der Jahre seinen  landwirtschaftlichen Charakter zugunsten einer bedeutsamen industriellen Entwicklung verloren hat. Die angebaute Autobahn, unweit vom Dorf, hat dazu sicher beigetragen. Die Bauernhöfe sind oft zu verkaufen, die typischen Misthaufen an der Hauptstraße sind verschwunden und die Parkplätze für die Werksarbeiter (oft Grenzgänger) wuchern buchstäblich über die früheren Kuhweiden.

Die ev. Dorfkirche

Mitten im Dorf, ein einziges Hotel, einfach aber authentisch mit seiner Stube, wo der Patron mit seinen Gästen und einem Glas Weißwein oder ein Café- creme vertraut plaudert. Dabei fällt der etwas singender, musikalischer Akzent vom Kanton Waadt deutlich auf und er scheint genau hier her zu passen. Schade, dass diese kleine Gaststätte modernisiert werden soll… hoffen wir das Beste.

Dorfgasse

 

Herrenbauernhof

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag, eine lange Abfahrt bis Orbe. Ein Ort am Übergang vom Juragebirge zur Hochebene des Kanton Waadt. Etwa 7.000 Einwohner, kleine und mittelgroße Industrie, aber auch wichtiges Agrarzentrum mit Mischkultur, Gemüsebau, wenig Viehzucht.

…am Weg

 

die „neue“ Autobahn

 

 

 

 

 

Der Morgen ist noch frisch und man fährt locker mitten in einer hügeligen Landschaft in Richtung Yverdon, am Neuenburgersee. Eine freundliche helle Stadt mit einem gepflegten Altstadtzentrum und zahlreiche Gebäude um 1900 um den zentralen Platz mit Cafés und Restaurants für jeden Geschmack. Zahlreiche Touristen aus allen Ländern der Welt. Unter der herbstlichen Sonne, sind die Temperaturen noch sehr nachsichtig und die Wirte freuen sich über den Umsatz. Am See entlang, etwas abseits des Stadtzentrums, wenig Aktivitäten.

Neuenburgersee und das Juragebirge

Yverdon, das Schloss

 

 

 

 

 

Nach der Stadtbesichtigung geht mein Weg Richtung Westen, auf die Hochebene am Rande des Juragebirges. Am Radweg entlang, hübsche Dörfer wo man auch einzelne mächtige Waadtland-Bauernhöfe mit dem typischen, schützenden Überdach und dem massiven Mauerwerk gegen die Klimastrenge der Gegend, bewundern kann. Die Radstrecke ist nicht immer perfekt geschildert und zeitweise auch beschädigt. Dennoch, man fährt sicher, abseits der Kantonalstrassen mit intensivem Verkehr.

Yverdon – Zentrum

Radwegschäden auf dem Rückweg

Gegen Abend, Ankunft in La Sarraz mit seinem mächtigen Schloss aus dem XI.Jh. Andere Zeiten, vorbei die damalige Ruhe : die kleine Stadt erstickt buchstäblich unter dem  Reiseverkehr. Eine dichte Kolonne mit Lastwagen, Traktoren und Autos verhindert jegliche Durchquerung der schmalen Hauptstraße. Später wird es jedoch ruhiger und man kann einzelne prächtige alte Waadtland-Häuser, die sorgsam renoviert wurden, bewundern.

…auf dem Weg

 

Die Dorfmolkerei

 

 

 

 

 

 

 

Auf der letzten Etappe meiner Radwanderung im Jura, kommt es leider zu einem Wechsel der Wetterlage, von herbstlich mild und sonnig auf bedeckt und sehr kühl. Gleich nach La Sarraz, einem langem Anstieg nach Cossonay mit seinen hohen Mühlen, die von weit zu sehen sind. Bereits von hier aus, kann man die  eingeschneite Alpenkette im Hintergrund sehen. Danach kommen Goillon und Morges, direkt am Genfersee, der unter dem bedeckten und bedrohenden Himmel, traurig erscheint. Noch einige Kilometer und schon fährt man in die Vororte von Lausanne, Hauptstadt vom Kanton Waadt. Bussigny und Renens liegen nah aneinander, man sieht viele kleine und mittelgroße Industriebetriebe. Dazu ein äußerst dichtes Netz an Bahnlinien, Autobahnstrecken, Haupt- und Nebenstraßen. Die Stadt Lausanne ist an sich für Radfahrer wegen des starken Gefälles ungünstig. Eine Besichtigung „per pedes“ ist jedoch Pflicht.

Waadtlandsdorf

La Sarraz, das Schloss

 

Fazit: eine sportliche Radwanderung von ca. 120 km und 11o0 Höhenmeter bis zum Herzen des Waadtlandes mit seinen verschiedensten Aspekten und  typischen Landschaften.