Text – Abbildungen & Fotos: André-S. Niedzielski

 Die Frühlingstemperaturen locken die Saisonakteure in die grün-gelbe  Natur hinaus. Schwalben flitzen schon umher, Stuten paradieren mit ihren neuen Fohlen und die ersten Kühe weiden ruhig auf den proteinreichen Wiesen.

   

Frühling am Bodensee

                                                                                           

Fohlenschau

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch die Radsaison ist eröffnet. Kürzlich stand ich an einer Steigung eines vielbefahrenen Radweges und fing an die flotten Pedelecs und die Fahrräder  abzuzählen. Gut 2/3 der Räder waren motorisiert, eine beachtliche Zahl die aber mit den Aussagen der Radhändler zusammenpasst wonach fast nur noch nach e-Bikes gefragt wird. Der Trend ist also nachvollziehbar; wird es so weiterlaufen und die normalen Räder verschwinden völlig von der Bildfläche? Derartiges Prophezeien hört man laufend. Dennoch wird es stets Anhänger des klassischen Fahrrades mit all seinen Vorzügen geben.

Freier Radweg… (Madautour Tirol)

Das Tempo spielt beim normalen Fahrrad eine untergeordnete Rolle. Der volle Fahrradgenuss entpuppt sich im Einklang mit dem körperlichen Einsatz und dem eigenen Rhythmus. Bestmöglich in der Stille der Natur, bei langen Strecken die durch das gleichmäßige leise Zurren der Reifen zur Meditation einladen. Aber das Rad fährt wahrlich nicht von selbst. Man spürt jede Terrainneigung, so gering sie auch sein mag. Das freie Rollen bergab und der muskuläre Einsatz bergauf. Es ist auch der Kraftaufwand der so viele Vorteile für Körper und Seele bringt und tagtäglich über die Jahre die Fitness unterhält. Folglich eine adäquate Belastbarkeit der Muskulatur, des Knochengerüstes und des gesamten Herz-Kreislaufsystems. Radfahren ist (fast) ein kompletter Sport und vernünftig betrieben, eine optimale Gesundheitshilfe.

Wird dann die elektrische Motorisierung diesbezüglich zum Nachteil? Wahrscheinlich werden sich die Sporteffekte auf die Fitness nicht so markant ausprägen; dennoch gibt es beispielweise eine exakt durchgeführte  Studie die bewiesen hat, dass die regelmäßige Benutzung eines Pedelecs in moderater Intensität sich z.B. bei Pendlern, körperliche Grundmessungen wie Leistungsfähigkeit und einzelne Stoffwechselwerte verbessern konnten (Europ. Journal of Appl. Physiology 2016/ DOI 10.1007/s00421-016-3408-9).

Selftest Leistung – Fahrrad/Pedelec

   Auch eine eigene Testung – mit Vorbehalt der Genauigkeit –  über den Herz-Kreislauf Effekt bzw. Pulsverhalten während einer genormten Pedelec Strecke zeigte einen nur geringeren Leistungsanspruch als beim normalen Fahrrad, gewiss stufenabhängig. Unter Eco-Modus waren es bei mir nur ca. 30%, unter Tour-Modus ca. 40% und unter Sport-Modus ca.50% weniger Leistungsanspruch als mit dem normalen  Rad. Dies merkt man auch rein subjektiv. Demnach könnte man wertvolle Trainingseffekte je nach persönlicher Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit leicht über die Modus-Schaltung dosiert erzielen. Diese Wertigkeit ist selbstverständlich sowohl vom Fahrer als auch von Fahrrädern abhängig und nicht übertragbar. Als bedingter Hinweis könnte es aber zur Information dienen.

Fahrrad oder Pedelec?

 Positiver Marker für Pedelecs u. CO: Das Flitzen mit dem ewigen Rückenwind erzeugt einen hohen Spaßfaktor! Längere Strecken bis hin zu machbaren Radreisen sind planbar. Und manch ein Senior  freut sich darüber, dass er in die community der Radfahrer wieder integriert wird. Die Pedelecs sind am Ende einer Tour, wenn die Zeit drängt und der letzte Streckenabschnitt scharf bergauf läuft, bei Gegenwind und kurz vor einem Gewitter, unschlagbar!

Gewitter im Anmarsch…(Radtour am Lot -Fr.)

   Negativer Marker: die Unfallquote. Unfalldaten für Pedelecs sind erst seit 2014 gesondert registriert worden. In Deutschland gab es 2.245 Pedelec-Unfälle, 2017 bereits 5206, mehr als doppelt so viel (Destatis-Statistisches Bundesamt). Im Polizeibericht Schwaben Nord 2019 wurden 123 Pedelec Unfälle und 172 im Jahr 2020 verzeichnet, ebenso mit einer deutlichen Zunahme. Besonders betroffen: Senioren Radfahrer oft mit gravierenden Unfallfolgen. Hohes Gewicht der Räder und Geschwindigkeit sind die Hauptrisikofaktoren; dazu kommen  sicherlich  die Herausforderung der Geschicklichkeit des Fahrers, gerade am Anfang nach dem Kauf und möglicherweise die Enge der Fahrbahnen. Präventive Maßnahmen mit Trainingskursen werden mittlerweile angeboten. Und oberstes Gebot: Helm tragen!

 

 

Hochleistungssport pur!

Ein Punkt steht noch abseits jeglicher rationaler Überlegung: Die innere Zufriedenheit, das Selbstlob. Am Ende einer langen Radtour kennt jeder das Gefühl der Genugtuung nach dem Motto „ich hab’s doch geschafft“. Im Hochleistungssport spricht man von Überflutung mit Glückshormonen… eventuell auch  nach einer gelungenen Pedelec Tour?

Vor und Nachteile des Pedelecs kann man ewig abwägen und zu guter Letzt wird bei Senioren die eigene Leistungsfähikeit die Entscheidung näher bringen.

 

Wie auch immer…  klasse Fahrten für alle!

 

http://www.meine-velotouren.de/madau-in-den-tiroler-alpen/